Ein neuer interaktiver Podcast von David Jonathan
Über Sprachnachrichten mit der fiktiven Welt kommunizieren
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Philosophische Gedanken allgegenwärtiger Fragestellungen: vielfältig, chaotisch, kreativ, ungeordnet, kritisch - jenseits systemisch relevanter Ideen
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Allerdings verhält es sich mit Werten wie mit der Luft zum Atmen – sie sind ständig um uns und auch notwendig. Dennoch begehren Menschen unaufhörlich gegen sie auf. Vielleicht aber gar nicht gegen die Werte selbst, sondern eher gegen ihre Auslegung und ihren Missbrauch durch andere Menschen. Dazu gehören auch die ständige Etablierung neuer Werte und deren fortwährende Verbreitung über Medien. Gendersprache, Nachhaltigkeit, Gleichberechtigung – Werte werden in der modernen Gesellschaft zur Schikane, weil ihr Gebrauch erzwungen und auch all denen verordnet wird, die sie nicht teilen. Wenn in Rundfunk und Fernsehen von „Forschenden“ die Rede ist und gewollt ein Wort wie „Moderator*Innen“ extra betont ausgesprochen werden muss, geht manch einer angesichts des Missbrauchs der Sprache an die Decke. Zurecht. Denn die Verunstaltung der Sprache löst kein Problem. Im Gegenteil: Werte, die besonders betont werden müssen, kaschieren nur ihre Missachtung unter der Oberfläche einer unsinnigen Auseinandersetzung. Wem nützt es, irgendwo ein großes „I“ einzufügen, wenn sich grundlegendes Denken nicht verändert? Dann ist es im wahrsten Sinne des Wortes nur ein Lippenbekenntnis. Schon die Sperrigkeit der Sprache offenbart die Unsinnigkeit des Konstrukts als Bekenntnis zum Wert der Gleichberechtigung. Gäbe es wahre Gleichberechtigung in der Gesellschaft, wäre sie der Menschheit überhaupt möglich, würde sie sich gerade in einer schönen und harmonischen Sprache ausdrücken.
Leider zeichnet Gesellschaften über Jahrhunderte hinweg Ungerechtigkeit aus. Spuren davon finden sich in allen Sprachen. Sie enthalten mehr Arten zu fluchen, als Liebe auszudrücken und beschreiben den Krieg genauer als den Frieden. Obgleich es wunderbare Texte über Utopien und Romantik gibt, dominieren umgangssprachlich doch eher derbe Ausdrucksweisen. Was sagt das über uns Menschen? Werte sind, genau wie Sprache, Gebrauchsgegenstände. Sie regeln das tägliche Miteinander wie Verkehrsschilder. Anders als Verkehrsschilder greifen sie allerdings sehr tief in das menschliche Leben ein. Auch Familien verbinden Werte in ihrem Zusammensein. Durch ihre enge Verzahnung mit sozialen Gruppen wandeln sich Werte in gesellschaftlichen Interessenskonflikten zu Argumenten. Sie werden benutzt und dadurch abgenutzt. Manchen wird künstlich durch tausendfache Wiederholungen in Medien, Reden und Bemerkungen eine geradezu mystische Bedeutung gegeben. Andersdenkende werden verbal angegriffen und in gesellschaftliche Ecken gedrängt, um ihr Ansehen zu vermindern. Werte werden als unausweichliche Argumente in Debatten vorgeschoben. Zu manchen Themen herrscht inzwischen ein regelrechtes Denkverbot, wenn diese Werte nicht geteilt werden.
Die Menschen stellen eine Fragen zu wenig: „Warum?“ Wer sie stellt, wir heute oftmals als Verräter oder mit ähnlich abwertenden Worten gebrandmarkt. „Warum“ ist nicht mehr opportun, hinterfragen nicht erwünscht. Gleichförmigkeit ist angesagt. Offenheit wird abgestraft. Wie stimmt das mit dem Wert der Gleichberechtigung überein? Gar nicht. Denn Gleichberechtigung ist kein Freiheitswert mehr, sondern ein missbrauchter Wert, der die Menschen zwingen soll, in eine gewollte Richtung zu denken und diese Richtung nicht in Frage zu stellen. Erwartet werden öffentlich verbale Kniefälle vor der Gleichberechtigung. Das Wort dient einer schönen Verpackung. Mehr nicht. Gleichberechtigung als solche wird nicht angestrebt.
Es geht immer um mehr. Eine aktuelle Auseinandersetzung ist nur Anlass. Doch es gibt ein über die Sache hinaus, das sich in Denken und Handeln äußert. Sachfremde Themen fließen in jede Diskussion und in letzter Konsequenz auch in jede Entscheidung ein. Besonders Emotionen spielen dabei eine herausragende Rolle. Die wichtigsten: Sympathie und Antipathie. Beide Gegenspieler steuern einen Großteil im Geschehen des menschlichen Miteinanders. Sie sind das irrationale Fundament, auf dem rationale Begründungen errichtet werden, um sachlich zu argumentieren. Sehr wacklig, aber immer wieder erfolgreich, weil der emotionale Kern von vermeintlicher Logik verschleiert wird. Werte dienen dabei als Zement zwischen den entscheidenden emotionalen Beweggründen und ihren rationalen Erklärungen. Das funktioniert bestens, weil sie selbst binär sind: Logisch nachvollziehbar und zugleich hochemotional. Zudem sind Werte flexibel, wandelbar, anpassungsfähig und mit enormen moralischem Impuls ausgestattet. Gegen Werte lässt sich deshalb kaum argumentieren, weil sie einer Einbahnstraße ähneln. Wer darauf verkehrtherum fährt, riskiert mit großer Wahrscheinlichkeit einen Unfall. Sprich: Wer die gesellschaftlich vorgegebene Richtung von Werten missachtet, wird ziemlich sicher angefahren. Ein Beispiel dafür ist unter anderem die Gleichberechtigung. Ein grundsätzlich wichtiger Wert, der aber dadurch konterkariert und als Druckmittel benutzt wird, dass er Minderheiten ein überproportionales Sprachrohr bietet. Der Wahnwitz des Werteüberschusses gipfelt in der sogenannten gendergerechten Sprache, die durch ihren vollkommen unrealistischen Anspruch, es allen gerecht machen zu wollen, die Sprache selbst missbraucht. Doch Kritiker werden nicht etwa als Bewahrer der Sprache gefeiert, sondern als Gegner der Gleichberechtigung gebrandmarkt. Ende der Diskussion.
Überhaupt ist das ein Merkmal wertebasierter Debatten: Sie werden nicht offen geführt, sondern mit hohem Maß an Unehrlichkeit. Vorgeschobene Werte dienen dazu, persönliche Ziele zu erreichen. Zugleich sind sie austauschbar. Nicht, wofür jemand steht entscheidet, was er will, sondern was er will entscheidet, wofür jemand steht. Der Wert eines Wertes liegt demnach in seiner äußeren Nutzbarkeit, nicht in seiner inhaltlichen Aussage. Er bietet weniger Orientierung, als vielmehr eine Möglichkeit, Andersdenkende in die Enge zu treiben. Werte werden wie ein Netz verbunden, um darin Unterstützer zu fangen. Der Trick besteht darin, Werte als Mauer aufzurichten, die dadurch Festgesetzten aber glauben zu lassen, sie würden ihr Leben nach guten Werten ausrichten. Mit Werten wird eine Klassengesellschaft etabliert: Die Wertegläubigen und die Werteprofiteure. Für die einen sind Werte die Leitplanken ihres Lebens, während die anderen diese Leitplanken nicht nur setzen, sondern sich außerhalb der austauschbaren Begrenzungen organisieren.